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PerfluoroctansulfonsÀure
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PerfluoroctansulfonsĂ€ure (Anion Perfluoroctansulfonat oder kurz PFOS) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS). Üblicherweise wird bzw. wurde es im Handel als Kalium-cite-ref-7[S 2], Lithium-cite-ref-8[S 3], Ammonium-cite-ref-9[S 4], Diethanolammonium-cite-ref-10[S 5] oder Tetraethylammoniumsalzcite-ref-11[S 6] angeboten. PFOS wurde 2009 als Schadstoff in den Anhang B des Stockholmer Übereinkommens aufgenommen.cite-ref-cop4-2009-press-release-12-0[6]

Contents

‱ Geschichte
‱ Verwendung
‱ Grenzwerte
‱ Trinkwasser
‱ Fische
‱ Mensch
‱ Verbot
‱ Nachweis
‱ Weblinks

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Geschichte

1953 entdeckte Patsy O’Connell Sherman bei 3M zufĂ€llig die Reinigungswirkung eines Fluorpolymers. Sie und Samuel Smith brachten bis 1956 Perfluoroctansulfonat zur Produktreife.cite-ref-13[7]cite-ref-14[8] 2001 wurde eine Studie zum globalen Vorkommen in der Umwelt und zur Bioakkumulation von PFOS veröffentlicht.cite-ref-15[9]

Gewinnung und Darstellung

Die Darstellung von PFOS erfolgt durch die elektrochemische Fluorierung von Octansulfonylchloridcite-ref-16[S 7] in wasserfreiem Fluorwasserstoff. Dabei entstehen drei Viertel lineares und ein Viertel verzweigtes Perfluoroctansulfonylfluorid.

C 8 H 17 SO 2 Cl + 18 HF ⟶ ⟶ C 8 F 17 SO 2 F + HCl + 17 H 2 {\displaystyle {\ce {C8H17SO2Cl + 18 HF -> C8F17SO2F + HCl + 17 H2}}}

Durch Hydrolyse von Perfluoroctansulfonylfluorid wird PFOS erhalten.cite-ref-17[10]cite-ref-18[11]

Eigenschaften

Die Besonderheit von PFOS liegt darin, dass die perfluorierte Gruppe unpolar ist, die polare anionische Gruppe dagegen hydrophil. Es ist damit ein Tensid.

Von PFOS gibt es theoretisch 89 Skelettisomere.cite-ref-19[12]

PFOS ist umweltpersistent, bioakkumulierbar und fĂŒr SĂ€ugetiere giftig. Aus diesem Grund haben alle deutschen Chemieunternehmen die Produktion von PFOS im Jahr 2002 weltweit eingestelltcite-ref-20[13] und viele Produkte auf die kĂŒrzerkettige PerfluorbutansulfonsĂ€ure (PFBS) umformuliert.

Verwendung

PFOS wurde hauptsĂ€chlich dazu verwendet, um Materialien wie Textilien, Teppiche und Papier fett-, öl- und wasserfest zu imprĂ€gnieren (3M Scotchgard). Daneben wurde und wird es bei der Verchromung, in der Analogfotografie, in Ă€lteren FeuerlöschschĂ€umen (AFFF) und in HydraulikflĂŒssigkeiten fĂŒr die Luft- und Raumfahrt verwendet. 2004 wurde der Einsatz von PFOS und seinen Derivaten in der EU auf rund 12.000 Tonnen pro Jahr geschĂ€tzt.cite-ref-21[14]

Die wichtigsten Quellen fĂŒr UmwelteintrĂ€ge sind bzw. waren Metallverarbeitung (Verchromung) und FeuerlöschschĂ€ume.cite-ref-22[15]

Als Ersatz von PFOS wird 6:2-FTS in Hart- und Dekorativverchromungsverfahren in der Galvanotechnik eingesetzt.cite-ref-23[16]cite-ref-24[17]cite-ref-25[18] In China werden F-53B und F-53 als Ersatzstoffe verwendet.cite-ref-26[19]

Bei LöschschÀumen kommen 6:2-FTS und seine Derivate sowie fluorfreie Alternativen zum Einsatz.cite-ref-laenderfinanzierungsprogramm-de-27-0[20]cite-ref-28[21]

Biologische Bedeutung

Die PFOS-Exposition wird fĂŒr den Zeitraum von 1999 bis 2015 mit jĂ€hrlich rund 382.000 TodesfĂ€llen bei erwachsenen US-BĂŒrgern in Verbindung gebracht. FĂŒr den Zeitraum von 2015 bis 2018 sank die Anzahl auf etwa 69.000 pro Jahr.cite-ref-0-29-0[22] PrimĂ€re Todesursachen waren Herzkrankheiten und Krebs.cite-ref-0-29-1[22]

2023 stufte die Internationale Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC) PFOS als krebserregend Gruppe 2B (möglicherweise karzinogen fĂŒr Menschen) ein.cite-ref-30[23]cite-ref-31[24]

Anhand einer globalen Metaanalyse wurde fĂŒr PFOS ein trophischer Magnifikationsfaktor (TMF) von 3,02 (95-%-Konfidenzintervall: 2,64–3,46) ermittelt, was eine hohe Bioakkumulation zeigt.cite-ref-32[25]

Grenzwerte

Die EFSA hat die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (engl. tolerable weekly intake, TWI) im Dezember 2018 auf 13 ng pro kg Körpergewicht und Woche gesenkt. Es wurde festgestellt, dass die Exposition eines namhaften Anteils der Bevölkerung höher ist als dieser Wert.cite-ref-33[26]

Laut Wasserrahmenrichtlinie betragen die Jahresdurchschnitts-UmweltqualitĂ€tsnormen 0,65 ng·l−1 fĂŒr BinnenoberflĂ€chengewĂ€sser bzw. 0,13 ng·l−1 fĂŒr sonstige OberflĂ€chengewĂ€sser. Die UmweltqualitĂ€tsnorm fĂŒr Biota (Fische) betrĂ€gt 9,1 ÎŒg·kg−1 Nassgewicht.cite-ref-34[27]

Trinkwasser

In der Neufassung der EuropĂ€ischen Trinkwasserrichtlinie – Richtlinie (EU) 2020/2184 – vom 16. Dezember 2020 gibt es keine Mindestanforderung spezifisch fĂŒr PFOS. Allerdings gibt es eine solche (0,1 ÎŒg/l) fĂŒr die Summe der PFAS, also die Summe von 20 PFAS – PerfluorcarbonsĂ€uren und PerfluorsulfonsĂ€uren mit KohlenstoffkettenlĂ€ngen von 4 bis 13 – zu welchen auch PFOS gehört.cite-ref-2-35-0[28]

In den Vereinigten Staaten wurde der Trinkwasserrichtwert fĂŒr die lebenslange Exposition im Juni 2022 neu festgelegt.cite-ref-36[29] Der neue Wert betrĂ€gt 0,02 ng/l, wĂ€hrend der zuvor gĂŒltige, 2016 festgelegte Wert 70 ng/l betrug.cite-ref-37[30]cite-ref-38[31]

Vorkommen in der Umwelt

Im Sommer 2006 wurden im Rhein und in der Ruhr hohe PFOS-Werte gemessen. KlĂ€rschlĂ€mme aus Belgien, die falsch deklariert waren, brachten die Stoffe nach Deutschland. Nachforschungen ergaben den Verdacht, dass Landwirte dafĂŒr bezahlt wurden, den belasteten KlĂ€rschlamm auf ihren Feldern auszubringen. Von dort gelangten Bestandteile in Grund- und Flusswasser.cite-ref-39[32]cite-ref-40[33]

2012 wurden im Badesee StoibermĂŒhle nördlich des Flughafens MĂŒnchen sowie im Lindacher See nördlich des Fliegerhorstes Ingolstadt/Manching erhöhte Werte von verschiedenen perfluorierten Tensiden nachgewiesen, darunter auch PFOS (1 ”g/l, Grenzwert: 0,3 ”g/l).cite-ref-41[34]

2015 wurden im Badesee Birkensee östlich von NĂŒrnberg erhöhte Werte von verschiedenen PFAS nachgewiesen (3 ”g/l), darunter auch PFOS. Zeitweilig wurde ein Badeverbot erlassen.cite-ref-42[35]

In rund drei Viertel der 55 der 2021 und 2022 im Kanton St. Gallen untersuchten BĂ€che und FlĂŒsse war das chronische QualitĂ€tskriterium von 2 ng/l fĂŒr PFOS ĂŒberschritten, womit die Gefahr einer sekundĂ€ren Vergiftung von fischfressenden Vögeln und SĂ€ugetieren besteht. Der Mediankonzentration lag bei 10 ng/l PFOS, der Maximalwert bei rund 2000 ng/l.cite-ref-1-43-0[36]cite-ref-3-44-0[37]

Das US-Verteidigungsministerium gab im November 2019 bekannt, dass es ĂŒber die 401 bislang benannten hinaus inzwischen weitere Standorte identifiziert habe, die mit PFOS bzw. PFOA kontaminiert seien.cite-ref-45[38]

Trotz des globalen weitreichenden Verbots stiegen die PFOS-Konzentrationen in der Luft zwischen 2009 und 2017 an vielen Messstationen weiter an.cite-ref-46[39]

Fische

Bei Fischen aus der Moosach warnte die Behörde 2019 vor dem hÀufigen Verzehr.cite-ref-47[40]

Das NiedersĂ€chsische Verbraucherschutzministerium riet im April 2020 in einer Verzehrempfehlung auf den regelmĂ€ĂŸigen Verzehr von niedersĂ€chsischen Flussfischen zu verzichten. Bei einer Untersuchung von Fischproben betrug der Median der PFOS-Konzentrationen im Muskelgewebe der Fische 7,8 ÎŒg/kg.cite-ref-48[41]

In Fischfilets aus zehn Seen sĂŒdlich und westlich der Alpen lagen die PFOS-Konzentrationen im Bereich von 0,2–50 ÎŒg/kg, wĂ€hrend die Konzentrationen in den Innereien und den ĂŒbrigen Körperteilen etwas höher waren.cite-ref-49[42]

Der Median der PFOS-Konzentration lag bei den 2021 und 2022 im Kanton St. Gallen untersuchten Bachforellen bei 13 ÎŒg/kg. Rund ein Drittel der Fische wies eine PFOS-Konzentration auf, die fĂŒr fischfressende Vögel und SĂ€ugetiere problematisch sein kann.cite-ref-1-43-1[36]cite-ref-3-44-1[37]

Mensch

Auch Muttermilch aus allen Kontinenten enthĂ€lt PFOS.cite-ref-50[43] Bei 99 % der Einwohner Kaliforniens wurde PFOS im Blutserum nachgewiesen.cite-ref-51[44] Alle der 100 zwischen 2009 und 2019 genommenen Humanblutproben aus der deutschen Umweltprobenbank enthielten zwischen 1,21 und 14,1 ÎŒg/L PFOS.cite-ref-52[45] In allen Blutplasma-Proben von 1109 Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren, die im Rahmen der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (GerES V) untersucht worden waren, wurde PFOS nachgewiesen.cite-ref-53[46]

Verbot

Das EuropĂ€ische Parlament beschloss im Oktober 2006, die Verwendung von PFOS auf wenige Einsatzbereiche einzuschrĂ€nken. Die „Richtlinie 2006/122/EG des EuropĂ€ischen Parlaments und des Rates“ trat am 27. Dezember 2006 durch Veröffentlichung im Amtsblatt der EuropĂ€ischen Union (2006 / L 372) in Kraft.cite-ref-54[47]

In der 4. Vertragsparteienkonferenz des Stockholmer Übereinkommens (Genf, 4. bis 8. Mai 2009) wurde entschieden, PFOS in den Anhang B der unter dieser Konvention eingeschrĂ€nkten Stoffe aufzunehmen.cite-ref-55[48] Die 9. Vertragsparteienkonferenz beschloss 2019 die Streichung der unbefristeten Ausnahmen fĂŒr Foto-/Bildbearbeitung, Fotoresistlacke und Antireflexbeschichtungen fĂŒr Halbleiter, Ätzmittel fĂŒr Verbindungshalbleiter und Keramikfilter, HydraulikflĂŒssigkeiten fĂŒr die Luft- und Raumfahrt sowie fĂŒr bestimmte Medizinprodukte.cite-ref-56[49]

Die Umsetzung in der EU erfolgt durch die Verordnung (EU) 2019/1021, welche die Verordnung (EG) Nr. 850/2004 ablöste. Die einzige vom Verbot ausgenommene Verwendung ist als „Mittel zur SprĂŒhnebelunterdrĂŒckung fĂŒr nicht dekoratives Hartverchromen (Chrom VI) in geschlossenen Kreislaufsystemen“.cite-ref-57[50]

PerfluoroctansulfonsĂ€ure und ihre Derivate sind als „prioritĂ€rer gefĂ€hrlicher Stoff“ in Anhang X der europĂ€ischen Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgefĂŒhrt.cite-ref-58[51]

Nachweis

Der zuverlÀssige qualitative und quantitative Nachweis von PFOS in unterschiedlichen Untersuchungsmaterialien gelingt nach adÀquater Probenvorbereitung durch die Kopplung der HPLC mit der Massenspektrometrie.cite-ref-59[52]cite-ref-60[53]

Weblinks

‱ Fragen und Antworten zu perfluorierten und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) vom Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR)
‱ Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) Fachinformationen des Bundesamts fĂŒr Umwelt

Einzelnachweise

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Externe Links zu erwÀhnten Verbindungen

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